LOCKDOWN

Unser Ausnahmezustand - Ihr Leben!

Geht es Ihnen gerade wie mir? Sehnen Sie sich nach einer festen Umarmung eines lieben Menschen? Vermissen Sie den wöchentlichen Spieleabend mit Freunden oder den Tratsch bei einer guten Tasse Kaffee? Trauern Sie Ihrem lange geplanten und hart ersparten Urlaub nach, der nun leider nicht stattfinden wird? Fühlen Sie sich einsam und isoliert und möchten manchmal verzweifeln?

Seit ein paar Wochen nun heißt es bei uns Zuhause mindestens einmal am Tag: "Ich bin dann mal los...Mama eine Runde ausführen!" Und dann ziehe ich los mit meinen Hunden und hole meine Mutter ab, um mit ihr mit 2 Meter Abstand einen Spaziergang durch den Park zu machen. Bitte nicht falsch verstehen (eigentlich hat sie das "nicht nötig") - Ich bin Anfang 30 und meine Mutter noch nicht mal 60. Sie steht noch voll im Arbeitsleben...sonst! Und sie hat Freundinnen, die sie zum Kaffee besuchen...sonst! Und sie liebt es durch England zu reisen...sonst! Wenn wir auf unseren Spaziergängen reden, wird deutlich, wie hart diese Zeit für sie ist. Sie fühlt sich allein, ist traurig über all die Dinge, die ihr fehlen - die ihr Leben sonst so lebenswert machen.

Aber ich kann ihr dann immer wieder sagen: "Mama, halt durch! Es wird bestimmt bald wieder alles möglich sein. Bald hat die Isolation ein Ende."
Was wäre, wenn das nicht so ist? Wenn das nun unser Leben wäre? Wenn es noch schlimmer käme und man uns (zu unserem Schutz) in unseren Häusern, einem einzigen Zimmer einsperren würde - Für Immer!?

Können Sie sich so ein Leben vorstellen? Ich nicht! Aber ich bekomme in den letzten Wochen immer mehr ein eigenes Gefühl dafür, wie es sich anfühlen muss...für Hühner, die zur Eiproduktion ihr Leben in einer einzigen Halle verbringen. Wie es sein muss für die Tiere, Tag aus Tag ein die immer gleichen Runden im Zookäfig oder Aquarium zu drehen...isoliert von Freunden und Familie. Einsam! Mehr denn je übersteigt es meine Vorstellungskraft, wie sich ein neugeborenes Kalb im Kälber-Iglu fühlen muss...direkt nach der Geburt getrennt von der Mutter und Artgenossen. Ohne Wärme und Geborgenheit...damit wir die Milch seiner Mutter trinken können. Mehr denn je leide ich mit jedem Hund, den ich an Kette oder im Zwinger sehe.

Für ein Schwein im Kastenstand gibt es folgende Anforderungen: "Nach § 24 Abs. 4 Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) müssen Kastenstände für Jungsauen und Sauen so beschaffen sein, dass die Schweine sich nicht verletzen können und jedes Schwein ungehindert aufstehen, sich hinlegen sowie den Kopf und in Seitenlage die Gliedmaßen ausstrecken kann..." Nicht einmal das Umdrehen wird diesen armen Tieren zugesprochen!

Ich könnte diese Aufzählung leider unendlich weiterführen, aber ich bin mir sicher, dass das nicht nötig ist. Denn jeder von uns erfährt derzeit am eigenen Leib, dass es so nicht geht.
All diese fühlenden Lebewesen leiden für unser Wohl - sei es als Gaumenschmaus oder Freizeitspaß.

Bitte lassen Sie uns alle diese Zeit des Stillstands nutzen um Anlauf zu nehmen. Ich wünsche mir einen Start in eine Welt, in der wir alle, Mensch und die anderen Tiere, frei und respektvoll miteinander leben und jeder sein eigenes Handeln hinterfragt. Jeder hat es selbst in der Hand! Jeder kann es ändern!

Sommer 2020